Ein Jahr Groß

Das erste Jahr mit meiner Tochter war wohl das aufregendste meines bisherigen Lebens. Alles war neu, jede Minute meines Alltags wurde neu getaktet. Drehte sich mein Kosmos , bis dahin, vordergründig um mich selbst, so stand nun meine Tochter im Mittelpunkt. Sie entschied, wann Nacht und wann Tag war, sie entschied über die Länge unserer Autofahrten und darüber, ob es Mama unter die Dusche schaffen würde oder nicht.

Da waren die ersten Kinderkrankheiten, das erste Mal Fieber und der erste Zahn. Die Überlegung ob Zäpfchen oder Globoli besser helfen würden und ob Bio-Essen wirklich notwendig ist. Die ersten Schuhe wurden sorgfältig ausgesucht und für viel Geld gekauft. Und dann war da noch der erste Geburtstag. Was für eine Aufregung, ein wunderbares Gartenfest mit vielen Freunden und der ganzen Familie bei Schokotorte und Sonnenschein.

Es waren anstrengende aber zugleich auch wunderschöne zwölf Monate. Es wurde viel gelacht, manchmal geweint, oft gestaunt und vorallem ganz viel erforscht.

All diese ersten Begegnungen, Erfahrungen und Gefühle hat die Kinderbuchautorin und zweifache Mutter Trixie Augustina Wackerhagen in einem Buch festgehalten: „Ein Jahr Groß, Mein Tagebuch über ein aufregendes erstes Jahr“, erzählt aus der Sicht der kleinen Marta.

 

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Trixie Augustina Wackerhagen

 

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Kapitel: Fieber ist doof

Liebes Tagebuch, gestern ging es mir gar nicht gut. Mein ganzer Körper war müde und erschöpft, und mir war auch ganz heiß, und alles war doof. Ich musste sehr laut weinen, und weder Mami noch Papi konnten mich beruhigen. Sie begannen lauthals zu überlegen, was mir nur fehlen könnte. Nachdem sie mir zwei Mal das Windelchen gewechselt, mich umgezogen, mir etwas vorgesummt hatten und selbst mein Lieblingsplatz (Mamis Brust) nichts mehr brachte, nahm Mami ihr heiliges Gerät in die Hand und rief Omi an….“

 

Trixie, erzähl uns mal…

Was hat dich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?

Ich schreibe schon sehr lange (unabhängig vom Mami sein), mich haben schon immer die unmittelbaren Umstände meines Lebens interessiert und als ich Mami wurde ganz besonders die kleinen Wesen und ihre Großen Vorbilder (Mama, Papa, Omi, Opi,,,). Als unsere erste Tochter geboren wurde, lebten wir in einer fremden Stadt und beide Familien viele Kilometer entfernt. Sie wollten immer informiert sein und so berichtete ich in regelmäßigen Abständen aus Sicht der kleinen Augen. Ich besuchte Krabbelgruppen und war im regen Austausch mit „Erst-Mamis“. Die Kombi aus, Oma und Opa Berichte, zahlreichen Beobachtungen kleiner Wesen (auch die großen ) und die Faszination des allerersten Lebensjahres ließ klein Marta entstehen. Mir kam der Gedanke ein Buch daraus entstehen zu lassen um es mit anderen teilen zu können. Eine Reise begann. So traf ich auf eine Freundin aus alten Schulzeiten in Bochum – Jasmin Keune – sie illustrierte einen Teil der Erfahrungen von Marta. Am Ende fügte sich das Puzzle und „Ein Jahr Groß“ war entstanden.

Du erzählst in dem Buch von deinem Mama-Club. Sind diese Mama Treffen heute das, was früher Die eigene Mutter war. Sprich: wird heute zu wenig Wissen über das Mamasein aus der eigenen Familie weitergegeben?

Der Mama Club war für mich eine großartige Unterstützung. Erstes Kind in einer fremden Stadt und beide Familien sehr weit weg… Der Club aus Erstlings-Mamis kann bestimmt nicht das Wissen von erfahrenen Mamis ersetzen. Ich denke, dass sollte man nicht vergleichen. Beides ist auf seine Art und Weise etwas ganz wertvolles. Ich persönlich bin ein großer Freund davon, „Wissen“ von Müttern, Omas oder gar Uromis anzunehmen. Doch am Ende, ob Mama – Club oder wertvolles Wissen aus der Familie sollte nur ein „Ratgeber“ sein, aber nicht zu Verwirrung des ganz eigenen Muttergefühls führen. Meine Beobachtungen haben auch festgestellt, dass zu viel Input von außen ganz schön verwirren kann und „Mama“ auf sich ruhig mehr Vertrauen DARF und MUSS.

Du schreibst in deinem Buch, dass deine Mama dir oft hilft, aber auch, dass du trotzdem deinen eigenen Weg mit deiner Tochter gehen willst. Ist das manchmal auch ein Spagat?

Auch ich nehme gerne Ratschläge an. Finde es toll Wissen weitergereicht zu bekommen aber am Ende sage ich mir immer: „Jede Mutter ist die beste für ihr Kind.“ Ich bin glücklicherweise von einer sehr lieben Familie umgeben. Keiner spielt sich als Oberlehrer auf. Doch ich habe auch anderes schon oft gehört und ich denke das Wort ABGRENZEN trifft es am besten. Natürlich gab es bei mir auch schon Situationen die mich verunsichert haben. Ich glaube es braucht ein bisschen Zeit, selbstsicher zu werden ( daran arbeite ich auch noch 😃) und sich in manchen Situationen nicht so fühlen zu müssen, sich für irgendetwas zu rechtfertigen, zum Beispiel wenn ein Kind schreit -permanent. Dann fühlen sich viele Mütter gleich als müssten sie das jetzt begründen. Nimmt man die Sicht des Kindes – ist es wieder ganz einfach…

Welche Herausforderungen waren für dich am größten als Neumama?

Es gab schon einige Herausforderungen in meiner kurzen Mami- Karriere. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses erste Jahr so ein richtiges „Kennenlern-Jahr“ wird. Da wächst 9 Monate ein Menschenkind in mir heran – mein Fleisch und Blut und dann ist es geboren und du kannst es oft nicht verstehen. Bekommst Schweißausbrüche weil es nachts alle 2 Stunden aufschreit oder 40 Grad Fieber hat und du denkst gleich ins KH fahren zu müssen. Natürlich schmunzelt man kurze Zeit später darüber und man belehrt andere, dass hohes Fieber bei Babys keine Seltenheit ist und nachts ein Zahn mal zu schaffen macht aber in dem Moment denkt man die Welt geht unter. Das Buch hat mir sehr geholfen von gewünschten Strukturen und Rastern der „Großen“ los zu lassen. Beispiel : stillen nach Zeitplan, schlafen im eigenen Bettchen, am besten von 19:00 Uhr bis in der Früh, sich von der Sahneseite präsentieren wenn wir ausgehen, usw…. Ich finde dieses erste Jahr wahnsinnig spannend. Nicht nur das Kind lernt so enorm viel (von einfach nur da liegen bis hin zum laufen) sondern auch WIR als Eltern lernen einen „neuen“ Menschen – unser Kind kennen. Glaube deshalb läuft am Anfang gerne auch alles mal drüber und drunter. Die Figur Marta, hat mich alles besser verstehen lassen und mir den Druck genommen eine perfekte Mama sein zu wollen – denn die ist jeder ganz automatisch für sein Kind ohne dabei einen Kopfstand und gleichzeitig einen Purzelbaum machen zu müssen.

 

Vielen Dank liebe Trixie für den kleinen Einblick in deine Mama-Welt und hoffentlich dürfen wir uns bald über ein zweites Buch von dir freuen.  „Ein Jahr Groß, Mein Tagebuch über ein aufregendes erstes Jahr“ ist auf jeden Fall ein prima „Mutmachbuch“  für alle Baby-Neulinge unter uns und gehört ganz klar auf die Geschenkeliste einer jeden Babyshowerparty…

ISBN: 978-3-7386-6655-7

Erhältlich in jeder Buchhandlung und über amazon

 

 

 

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