Mama, liest du mir was vor

„Hank half gern im Haushalt. Er sorgte stets für erfrischende Getränke und bei kleineren Verletzungen half er mit einer Kühlung.“

Die Rede ist von Hank dem Schneemann. Ein durchaus mutiges Kerlchen, denn als er bemerkt, dass die Kinder, die ihm während des Winterurlaubs angefangen haben zu bauen, abgereist sind und ihn unfertig zurück gelassen haben, macht er sich auf die abenteuerlichste Reise seines Lebens um die Familie zu finden.

Unterwegs wird er von ein paar Tieren begleitet, erlebt spannende Geschichten bis er tatsächlich die Familie findet. Doch nun stellt sich natürlich die Frage, wie er als Schneemann im Haus der Familie überleben kann…

Auf diese Frage gibt der Kinderbuchautor und Illustrator Phillip Maiwald wunderschön verpackte Antworten und macht Hank den Schneemann zum eisigen Held des Buches.

Nicht weniger liebevoll gestaltet ist auch das zweite Kinderbuch, welches aus der Hand des Braunschweiger Autoren stammt. Es ist die Geschichte des kleinen Astes Mawee Wawee, der sich eines Tages von dem großen Baum aus eigener Kraft abbricht um die große, weite Welt zu entdecken. Er nimmt uns mit auf seine Reise durch fremde Städte, wilde Natur und zeigt uns was Freundschaft und Hilfsbereitschaft bedeutet. Am Ende landet der kleine Ast auf einer Insel…

Zwei Bücher, die nicht nur durch die Geschichten glänzen, sondern auch durch liebevolle und ganz besondere Illustrationen. Kein Wunder, denn Phillip Maiwald hat freie Kunst studiert, die Graffiti Kunst war viele Jahre sein Zuhause.

 

Noch mehr Wissenswertes über den Autoren und seine Bücher jetzt hier für euch im Interview:

 

1.) Du hast freie Kunst studiert. Hattest du damals schon den Wunsch, eines Tages ein Kinderbuch zu schreiben und zu illustrieren?
Nein. Ich komme ja vom Graffiti her und ich hatte es mit der „echten “ Kunst schon ernst gemeint. Sonst hätte ich vermutlich eher Illustration oder Grafikdesign studiert. Und wenn etwas meinen Bilderbüchern gut tut, dann vermutlich der Bezug zur Kunst.

2)Wann kam der Entschluss, deinen Traum Realität werden zu lassen? Was hat dich dazu bewogen? Der Entschluss, selbst einmal ein Bilderbuch zu machen kam erst, als meine erste Tochter da war und ich mit dem Thema Bilderbuch konfrontiert wurde. Da ich selbst das große Glück hatte, mit ganz hervorragenden Kinderbüchern aufzuwachsen, habe ich auch bei diesen Büchern ganz selbstverständlich wieder mit der Recherche angesetzt. Nachdem ich mich von dort aus viel mit klassischen Bilderbüchern befasst hatte, wuchs der Wunsch, selber einmal einen Versuch zu wagen.

3)Welche Inhalte dürfen in deinen Kinderbüchern nicht fehlen? Worauf legst du wert?
Was vorerst einmal fehlen darf ist eine eindeutige Botschaft, die dem Kind etwas vernünftiges beibringen möchte. Schlecht gekleidete, dumpf dreinblickende, immer gleich lächelnde Figuren sehe ich auch nicht gern in Bilderbüchern. Ansonsten, um deine Frage eher allgemein zu beantworten: die Figuren sollten einen lebendigen Ausdruck haben und die Geschichte darf gern ein paar Überraschungen bereit halten und die Kinder auf die ein oder andere „dumme“ Idee bringen.

4) Die Illustrationen deiner Bücher sind sehr modern, sie haben einen ganz besonderen Look. Wie würdest du sie selbst beschreiben?
Mein nächstes Buch spielt um die Zeit von 1920 und ich denke, dass es dennoch modern wirken kann. Was einen modernen Anschein hat und was genau dies ausmacht ist ja gar nicht so leicht zu sagen und auch sehr individuell. Mir ist es wichtig, das ich mich nicht zu sehr an dem orientiere, was gerade formal ästhetisch en vogue ist. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass jedes meiner Bücher einen ganz eigenen Look haben wird. Es wird aber wohl weiterhin eher farbenfrohe, freundliche Illustrationen geben.

5)Was macht deiner Meinung nach ein gutes Kinderbuch aus?
Das kann ganz unterschiedlich sein und lässt sich natürlich weder am Genre noch an formalen Kriterien fest machen. Der Anfang und das Ende einer Geschichte sind wichtig. Letztlich muss für mich persönlich eben alles zusammen passen und über das stimmige hinaus muss ein gutes Buch ein Lächeln in die Gesichter der Kinder und Eltern zaubern können und ein warmes Kribbeln im Bauch auslösen.

6)Du bist dein eigener Verleger, richtig? Welche Rolle spielte Crowdfunding bei der Entstehung deiner Bücher? Mit Hilfe einer Crowdfunding Aktion habe ich mein erstes Buch finanziert und aus dem Verkauf die Finanzierung des zweiten Buches gestemmt. Von Verleger zu sprechen ist vielleicht etwas hoch gegriffen, auch wenn ich mich selbst um den Vertrieb und alles weitere kümmere. In meinem Fall bleibt das Bücher machen vorerst eher eine Art ambitioniertes Hobby.

7) Du bist selbst Vater. Wie finden deine Kinder deine Bücher?
Meine große Tochter ist heute 10 Jahre alt und recht stolz auf „ihr“ Buch. Der Titel Mawee Wawee stammt von ihr. Die Geschichte zum zweiten Buch war durch sie inspiriert und sie hat in beiden Büchern kleine versteckte Details gemalt. Meine kleine Tochter ist zwei Jahre alt und bringt meine Bücher mindestens so oft um sie von uns vorlesen zu lassen, wie die Bücher von Janosch, Kazuno Kohara oder Clement Hurd. Ich habe meine Bücher quasi zwischen diese wunderbaren Autoren gemogelt ohne, dass es ihr aufgefallen ist.

8) Thema Nachhaltigkeit. Trifft das auch auf deine Bücher zu?
Nachhaltigkeit muss sein, nicht nur aber ganz besonders, wenn man für Kinder, also ganz direkt für die zukünftigen Generationen arbeitet. Es käme mir seltsam vor, Kinderbücher zu produzieren die in der Herstellung eine Gefahr für Mensch und Natur wären. Sobald man mit einem großen Verlag zusammenarbeitet, muss man in Bezug auf solche Dinge wahrscheinlich Kompromisse eingehen. Da muss dann, wenn der erhoffte finanzielle Erfolg winkt jeder wissen, wo die eigenen Grenzen sind.

9)Wie hart ist der Kinderbuch-Markt?
Als unbekannter Autor einen Verlag oder einen Agenten zu finden ist denke ich, schon recht schwierig.
Ich glaube, dass heute hauptsächlich die Agenten oder Vertreter der Verlage, also die Verkäufer maßgeblich mitbestimmen, welche Bücher produziert werden und welche nicht. Sie wissen am besten, was sich verkauft. Die Tendenz geht dabei offenbar zu wenigen aber dafür Verkaufserfolg versprechenden internationalen Titeln. Was ja nicht immer schlecht sein muss. Aber oftmals sind die Titel dann schon von vorn hinein auf einen vermeintlichen Massengeschmack hin abgeklopft und es wird wenig gewagt auch von Seiten der Autoren. Mich hat es selber nie interessiert, für einen imaginären Mainstream Bücher zu machen. Mein Kriterium für Qualität war immer meine ganz persönliche Vorstellung davon, was gut ist und wenn ich damit auf die Nase falle ist das okay. Ich finde es schön und kann es mir erlauben, Bücher für ein kleines Publikum zu machen.
Da ist man in der richtigen Tradition und ich wäre tot unglücklich, wenn diesen Weg nicht schon viele andere Menschen vor mir gegangen wären.

10)Welches ist dein absolutes Lieblingskinderbuch? Vielleicht auch aus der Zeit, als du selbst ein Kind warst.
Die drei Räuber von Tomi Ungerer, Die wilden Kerle von Maurice Sendak und Wir können noch viel zusammen machen von Friedrich Karl Waechter. Alles Bücher aus meiner eigenen Kindheit. Ansonsten gebe ich Empfehlungen auf meiner Top 100 Liste in meinem Bilderbuch Blog The Pink Elephant.

11)Habt ihr in der Familie Vorlese-Rituale?
Ja. Täglich gemeinsam auf dem Sofa hängen und Bücher anschauen und erzählen oder ggf. vorlesen. Meine große Tochter in Zeiten digitaler Verführung zum Lesen zu motivieren ist allerdings ein fast auswegloses Unterfangen.

12)Inwieweit dürfen Kinderbücher auch sozial kritische Themen behandeln? Sind die herkömmlichen Kinderbücher nicht manchmal sehr auf die „heile Welt“ begrenzt?
Dafür gibt es ja zum Glück keine Gesetze. Massenkompatible Dinge sind aber eben oftmals in vielerlei Hinsicht begrenzt, man muss schon ein bisschen suchen um die besonderen Dinge zu entdecken. Auch hier bestimmt die Nachfrage den Markt. Ich würde aber ein Buch, welches Kinder in eine schöne, phantasievolle und heitere Welt entführt wahrscheinlich meist einem zu plakativ sozialkritischen Buch vorziehen. Ich glaube sehr an die Kraft der Poesie, deshalb denke ich, das man an den Gegenentwürfen zu bestehenden negativen Kräften arbeiten muss.
Kinder grundsätzlich ernst zu nehmen bedeutet für mich aber schon auch, das man auch kritische oder ernste Themen nicht gänzlich ausblenden muss. Ich denke am besten ist es, wenn schwierige Themen erstens beiläufig und zweitens mit Humor behandelt werden.

13.) Ist ein weiteres Buch geplant?
Na klar, das nächste Buch ist beinahe fertig. Da die Finanzierung noch nicht ganz steht, ist dies lediglich eine Frage der Verkäufe der ersten beiden Bücher, wann das neue Buch kommt.

 

Wenn Hank oder Mawee Mawee auch bei euren Kindern demnächst im Regal stehen sollen, dann schaut mal hier vorbei Phillip Maiwald.
Wir verkrümeln uns jetzt aufs Sofa und finden heraus, wie Hank der Schnemann es schafft, im Haus seiner neuen Familie zu überleben…..

 

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Ein Jahr Groß

Das erste Jahr mit meiner Tochter war wohl das aufregendste meines bisherigen Lebens. Alles war neu, jede Minute meines Alltags wurde neu getaktet. Drehte sich mein Kosmos , bis dahin, vordergründig um mich selbst, so stand nun meine Tochter im Mittelpunkt. Sie entschied, wann Nacht und wann Tag war, sie entschied über die Länge unserer Autofahrten und darüber, ob es Mama unter die Dusche schaffen würde oder nicht.

Da waren die ersten Kinderkrankheiten, das erste Mal Fieber und der erste Zahn. Die Überlegung ob Zäpfchen oder Globoli besser helfen würden und ob Bio-Essen wirklich notwendig ist. Die ersten Schuhe wurden sorgfältig ausgesucht und für viel Geld gekauft. Und dann war da noch der erste Geburtstag. Was für eine Aufregung, ein wunderbares Gartenfest mit vielen Freunden und der ganzen Familie bei Schokotorte und Sonnenschein.

Es waren anstrengende aber zugleich auch wunderschöne zwölf Monate. Es wurde viel gelacht, manchmal geweint, oft gestaunt und vorallem ganz viel erforscht.

All diese ersten Begegnungen, Erfahrungen und Gefühle hat die Kinderbuchautorin und zweifache Mutter Trixie Augustina Wackerhagen in einem Buch festgehalten: „Ein Jahr Groß, Mein Tagebuch über ein aufregendes erstes Jahr“, erzählt aus der Sicht der kleinen Marta.

 

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Trixie Augustina Wackerhagen

 

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Kapitel: Fieber ist doof

Liebes Tagebuch, gestern ging es mir gar nicht gut. Mein ganzer Körper war müde und erschöpft, und mir war auch ganz heiß, und alles war doof. Ich musste sehr laut weinen, und weder Mami noch Papi konnten mich beruhigen. Sie begannen lauthals zu überlegen, was mir nur fehlen könnte. Nachdem sie mir zwei Mal das Windelchen gewechselt, mich umgezogen, mir etwas vorgesummt hatten und selbst mein Lieblingsplatz (Mamis Brust) nichts mehr brachte, nahm Mami ihr heiliges Gerät in die Hand und rief Omi an….“

 

Trixie, erzähl uns mal…

Was hat dich dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?

Ich schreibe schon sehr lange (unabhängig vom Mami sein), mich haben schon immer die unmittelbaren Umstände meines Lebens interessiert und als ich Mami wurde ganz besonders die kleinen Wesen und ihre Großen Vorbilder (Mama, Papa, Omi, Opi,,,). Als unsere erste Tochter geboren wurde, lebten wir in einer fremden Stadt und beide Familien viele Kilometer entfernt. Sie wollten immer informiert sein und so berichtete ich in regelmäßigen Abständen aus Sicht der kleinen Augen. Ich besuchte Krabbelgruppen und war im regen Austausch mit „Erst-Mamis“. Die Kombi aus, Oma und Opa Berichte, zahlreichen Beobachtungen kleiner Wesen (auch die großen ) und die Faszination des allerersten Lebensjahres ließ klein Marta entstehen. Mir kam der Gedanke ein Buch daraus entstehen zu lassen um es mit anderen teilen zu können. Eine Reise begann. So traf ich auf eine Freundin aus alten Schulzeiten in Bochum – Jasmin Keune – sie illustrierte einen Teil der Erfahrungen von Marta. Am Ende fügte sich das Puzzle und „Ein Jahr Groß“ war entstanden.

Du erzählst in dem Buch von deinem Mama-Club. Sind diese Mama Treffen heute das, was früher Die eigene Mutter war. Sprich: wird heute zu wenig Wissen über das Mamasein aus der eigenen Familie weitergegeben?

Der Mama Club war für mich eine großartige Unterstützung. Erstes Kind in einer fremden Stadt und beide Familien sehr weit weg… Der Club aus Erstlings-Mamis kann bestimmt nicht das Wissen von erfahrenen Mamis ersetzen. Ich denke, dass sollte man nicht vergleichen. Beides ist auf seine Art und Weise etwas ganz wertvolles. Ich persönlich bin ein großer Freund davon, „Wissen“ von Müttern, Omas oder gar Uromis anzunehmen. Doch am Ende, ob Mama – Club oder wertvolles Wissen aus der Familie sollte nur ein „Ratgeber“ sein, aber nicht zu Verwirrung des ganz eigenen Muttergefühls führen. Meine Beobachtungen haben auch festgestellt, dass zu viel Input von außen ganz schön verwirren kann und „Mama“ auf sich ruhig mehr Vertrauen DARF und MUSS.

Du schreibst in deinem Buch, dass deine Mama dir oft hilft, aber auch, dass du trotzdem deinen eigenen Weg mit deiner Tochter gehen willst. Ist das manchmal auch ein Spagat?

Auch ich nehme gerne Ratschläge an. Finde es toll Wissen weitergereicht zu bekommen aber am Ende sage ich mir immer: „Jede Mutter ist die beste für ihr Kind.“ Ich bin glücklicherweise von einer sehr lieben Familie umgeben. Keiner spielt sich als Oberlehrer auf. Doch ich habe auch anderes schon oft gehört und ich denke das Wort ABGRENZEN trifft es am besten. Natürlich gab es bei mir auch schon Situationen die mich verunsichert haben. Ich glaube es braucht ein bisschen Zeit, selbstsicher zu werden ( daran arbeite ich auch noch 😃) und sich in manchen Situationen nicht so fühlen zu müssen, sich für irgendetwas zu rechtfertigen, zum Beispiel wenn ein Kind schreit -permanent. Dann fühlen sich viele Mütter gleich als müssten sie das jetzt begründen. Nimmt man die Sicht des Kindes – ist es wieder ganz einfach…

Welche Herausforderungen waren für dich am größten als Neumama?

Es gab schon einige Herausforderungen in meiner kurzen Mami- Karriere. Ich hätte nicht gedacht, dass dieses erste Jahr so ein richtiges „Kennenlern-Jahr“ wird. Da wächst 9 Monate ein Menschenkind in mir heran – mein Fleisch und Blut und dann ist es geboren und du kannst es oft nicht verstehen. Bekommst Schweißausbrüche weil es nachts alle 2 Stunden aufschreit oder 40 Grad Fieber hat und du denkst gleich ins KH fahren zu müssen. Natürlich schmunzelt man kurze Zeit später darüber und man belehrt andere, dass hohes Fieber bei Babys keine Seltenheit ist und nachts ein Zahn mal zu schaffen macht aber in dem Moment denkt man die Welt geht unter. Das Buch hat mir sehr geholfen von gewünschten Strukturen und Rastern der „Großen“ los zu lassen. Beispiel : stillen nach Zeitplan, schlafen im eigenen Bettchen, am besten von 19:00 Uhr bis in der Früh, sich von der Sahneseite präsentieren wenn wir ausgehen, usw…. Ich finde dieses erste Jahr wahnsinnig spannend. Nicht nur das Kind lernt so enorm viel (von einfach nur da liegen bis hin zum laufen) sondern auch WIR als Eltern lernen einen „neuen“ Menschen – unser Kind kennen. Glaube deshalb läuft am Anfang gerne auch alles mal drüber und drunter. Die Figur Marta, hat mich alles besser verstehen lassen und mir den Druck genommen eine perfekte Mama sein zu wollen – denn die ist jeder ganz automatisch für sein Kind ohne dabei einen Kopfstand und gleichzeitig einen Purzelbaum machen zu müssen.

 

Vielen Dank liebe Trixie für den kleinen Einblick in deine Mama-Welt und hoffentlich dürfen wir uns bald über ein zweites Buch von dir freuen.  „Ein Jahr Groß, Mein Tagebuch über ein aufregendes erstes Jahr“ ist auf jeden Fall ein prima „Mutmachbuch“  für alle Baby-Neulinge unter uns und gehört ganz klar auf die Geschenkeliste einer jeden Babyshowerparty…

ISBN: 978-3-7386-6655-7

Erhältlich in jeder Buchhandlung und über amazon

 

 

 

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